Die Parkuhr Blog von Stefan Thielen

19Feb/120

Bringing It All Back Home

Nach einer Pause in den letzten Wochen, die der jüngsten Entwicklung in der saarländischen Landespolitik geschuldet war, ein länger geplanter Beitrag in eigener Sache. Ich finde in dieses Blog gehört ein wenig mehr Musik. Auch wenn der bisherige Titel „Was ich noch zu sagen hätte“ bereits aus einem Liedtext von Reinhard Mey („Gute Nacht, Freunde“) stammt, ist es doch an der Zeit diesen anzupassen, worauf ich gleich eingehen werde. Zudem werden in Zukunft alle - bisher war dies zwar schon öfters, aber nicht generell der Fall - alle Beiträge aus Songtexten stammen. Darüber hinaus werde ich nicht in den Essays selbst, aber in den Kommentaren kurz auf die Songs, die jeweiligen Alben und ihren Hintergrund eingehen, bzw. zu weiteren Infos dazu verlinken.

Der neue Titel des Blogs wird viele sicher verwirren. Warum Parkuhr, und wo ist der Bezug zur Musik? Leute die mich kennen, wissen von meiner besonderen Achtung für die Musik und die Texte von Bob Dylan. Obwohl er ohne Zweifel zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts gerechnet werden muss, ist er trotz seiner immer noch hohen Aktivität kaum noch in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Dies war gerade in den 60er Jahren völlig anders. Zu Beginn seiner Karriere Anfang der 60er Jahre in den Folk Clubs von New York trug neben eingängigen Melodien und großem lyrischen Talent vor allem die Tatsache zu seiner steigernden Bekanntheit bei, dass er auch in der Lage war politische Statements einzubringen und somit die populäre Musik aus der inhaltlichen Eintönigkeit, die sie heute leider wieder dominiert, herauszuführen. Beispiele hierfür sind die auch heute noch bekannten Titel „Blowin' in the Wind“, „Masters of War“, „A Hard Rain's A-Gonna Fall“ (alle vom Album „The Freewheelin' Bob Dylan“, 1963) , „The Times They Are A-Changin“ , “With God on Our Side” (beide vom Album „The Times They Are A-Changin“, 1964) sowie Chimes of Freedom (vom Album „Another Side of Bob Dylan“, auch 1964).

War diese oft als „Protestsongs“ bezeichneten Stück noch eingängige Musik für das Establishment, so führt das Album “Bringing It All Back Home“ von 1965 zur Revolution. Völlig unerwartet verband Dylan hier nun den Folk und den Blues mit dem Rock der 50er Jahre. „Bringing It All Back Home“ ist dabei als die Rückkehr zur Heimat, zum Herz der amerikanischen Musik zu verstehen. Außer der Musik – sie wechselt ständig vom Folk zu einem damals knallharten Rock, etwa in „Maggies Farm“ wurden auch die Texte noch lyrischer, noch prägnanter und noch rätselhafter. Vielleicht gerade deshalb auch politischer? Bemerkenswert sind bereits zwei Passagen aus dem kurzen Eingangssong „Subterranean Homesick Blues“. Hier steht zum einen die Formulierung „You don’t need a weatherman to know which way the wind blows“, welche sich inhaltlich teilweise mit dem in der nächsten Strophe folgenden „Don’t follow leaders, watch the parkin’ meters” deckt.

Hä? Keinem Führer folgen, sondern auf die Parkuhr starren? Was gibt es da zu sehen? Ich will hier nicht in eine Interpretation wechseln. Aber man kann auf einer Parkuhr sehen wie die Zeit verrinnt. Oder wer Interpretationen strapazieren mag und es konkreter will: wenn man sie öfters benutzt, auf sie achtet, kann man auch mal stärker und mal weniger steigende Preise im Alltag entdecken. Aber die Aussagen soll/kann/darf jeder für sich selbst herausfinden. Was für mich bleibt, ist dass es an dieser Stelle hier ebenfalls eine Parkuhr entsteht, die jeder ebenfalls benutzen soll/kann/darf, um sich persönlich weiter zu informieren, Gedanken zu neuen Anregungen zu machen und seine Meinungen zu reflektieren. Geld muss keiner in diese Parkuhr einwerfen, aber man darf sie über die Kommentarfunktion gerne mit neuen Anregungen, auch für andere, nachfüllen.

Da hier ausnahmsweise auf die Inhalte von „Bringing It All Back Home“ eingegangen wurde interessiert es manchen vielleicht, wie es weiter ging. Das Album wird heute als eines der einflussreichsten aller Zeiten angesehen. Gründe hierfür sind der ersten Auftritt des Folk Rock, die durchgehend hohe lyrischen Qualität und die Ausgeglichenheit in seinen Widersprüchen. So wurden die politischen Statements zum anderen durch mystische und religiöse Anklänge, etwa in „Gates of Eden“ oder „Mr. Tambourine Man“ - für mich persönlich der wichtigste Song aller Zeiten - komplementiert. Bemerkenswert ist dabei, dass es Dylan gelang innerhalb der nächsten 12 Monate zwei weitere Alben zu produzieren, die heute als noch wesentlicher angesehen werden, nämlich „Highway 61 Revisited“ (1965) und „Blonde on Blonde“ (1966). Beide haben die Musik der Beatles, Rolling Stones und vieler anderen Bands maßgeblich beeinflusst, so aber auch den Weg zum Summer of Love von 1968 bereitet. Dylan selbst galt als musikalischer Superstar, darüber hinaus wurde jede seiner Aussagen interpretiert so dass er sich zunächst einen Spaß daraus machte, die Presse in die falsche Richtung zu lenken, am Ende aber doch kaum mehr auftrat. Versuche ihn zu vereinnahmen scheiterten allesamt. Selbst als man ein geplantes musikalisches Großereignis in der Hoffnung seinen Auftritt zu erreichen an seinen Wohnort Woodstock verlagerte, lies er sich nicht davon beeindrucken. Viele Aussagen deuten darauf hin, dass er die Protestbewegungen, welche von Leuten initiiert und getragen wurden, die dachten sie hätten verstanden „which way the wind blows“ als über das Ziel hinaus geschossen betrachtete. Und wie könnte ein Musiker dies besser ausdrücken, als indem er sich zwei Country-Alben widmete, „John Wesley Harding“, (1967 mit dem durch Hendrix bekannt gewordenen „All Along the Watchtower“) und „Nashville Skyline“ (1969).

Final habe ich in eigener Sache noch eine Anmerkung zum Blog, die sich insbesondere auf vergangene Kommentare bezieht. Ich bin es sicherlich gewöhnt wissenschaftlich zu schreiben. Allerdings sind die Beiträge hier keine wissenschaftlichen Paper, sondern – egal mit welchem Thema sie sich befassen – Essays. Aus diesem Grund werde ich nicht dazu übergehen, alles was ich schreibe mit Quellen zu belegen, es sei denn in Ausnahmefällen oder wenn ein Interesse des Lesers an einer weiteren Information zu dem Thema zu vermuten ist. Viele der Fakten oder Beispiele die ich angebe können über eine einfache Websuche ermittelt und belegt werden. Man kann Fakten immer unterschiedlich interpretieren, meine Meinung, die sich aus einer immer ausführlichen dargelegten Beschäftigung mit diesen Fakten ergibt, findet sich hier. Das ist mein Anspruch, und so werde ich weiter verfahren.

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