Die Parkuhr Blog von Stefan Thielen

2Aug/110

Energiewende, aber richtig.

Heute gibt es hier keinen komplett neuen Text, sondern ich veröffentliche einen Leitartikel von mir aus der neuesten Ausgabe (1/2011) des SPRACHROHR (http://www.jusaar.de/startseite/die-ju/sprachrohr, bzw. http://www.facebook.com/sprachrohr), dem Magazin der Jungen Union Saar, erschienen Mitte Juli 2011:

Durch die Ereignisse um und in den Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima-Daiichi ist die Energiefrage wieder einmal in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Während in den letzten Jahren bestimmte Fragestellungen hierzu wie globaler Treibhauseffekt, Steinkohleabbau, Gaspipelines oder aber auch Verlängerung der Restlaufzeiten von Kernkraftwerken ein besonderes Medienecho hervorgerufen haben, dominierten doch andere Themen die Tagespolitik. Wirft man einen Blick auf die Vergangenheit wird jedoch deutlich, dass die Energiefrage aktuell nur die Aufmerksamkeit wiedererlangt hat, die ihr zusteht. So haben zahlreiche Entwicklung die Menschheitsgeschichte positive oder negativ geprägt indem sie technologischen Fortschritt beförderten, Kriege auslösten oder aber auch ganze Zivilisationen ihrem Ende zuführten. Auch heute stehen wir im Bereich der Energie vor Fragen welche die Zukunft der Menschheit nicht nur lokal oder regional prägen werden, sondern darüber hinaus globale Auswirkungen mit sich bringen. Auch deshalb ist eine intensive Beschäftigung und nachhaltige Weichenstellung mehr als angebracht.

Jede Erzeugung und Nutzung von Energie bringt unweigerlich Auswirkungen für Mensch und Umwelt mit sich. Die damit verbundenen komplexen Zusammenhänge erfordern es energetische Fragestellungen stets im Gesamtkontext von Versorgungssicherheit, Effizienz und Umweltbelastung zu betrachten. Das christliche Menschenbild als Hintergrund der Politik der Unionsparteien gebietet hier in jeder Hinsicht einen verantwortungsvollen Umgang mit all diesen Facetten. So sind wir dem Erhalt der Schöpfung ebenso verpflichtet wie der sicheren Versorgung breiter Bevölkerungsschicht mit bezahlbarer Energie. Nur so sind Wohlfahrt und weitere wirtschaftliche Entwicklung möglich, und zwar nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Über die rein sachliche Ebene hinaus werden dabei ethische Konflikte sichtbar. So ist etwa die Frage, ob es erlaubt ist in Anbetracht des Hungers in der Welt Lebensmittel zur Energieerzeugung zu nutzen um so einen schnelleren lokalen Ausstieg aus der Atomenergie umzusetzen nur über Gewissensentscheide zu beantworten. Einfache Antworten in solchen Fragestellungen sind genauso falsch wie die verführerischen und letztendlich vernichtenden Ideologien des 20. Jahrhunderts, die auch heute immer wieder gerne als Allheilmittel hervorgezaubert werden.

Betrachtet man die aktuellen Umweltprobleme der Energiepolitik müssen globale Gefährdungen hervorgehoben werden. So steht an erster Stelle fraglos der bereits einsetzende Treibhauseffekt. Wissenschaftler sind sich einige, dass hier schnelle Maßnahmen umgesetzt werden müssen, da die Auswirkungen ab einem bestimmten Punkt sonst nur noch schwer zu kontrollieren sind. Selbst das diskutierte Ziel eines Temperaturanstiegs um maximal 2 ° C kann so noch katastrophale Auswirkungen haben. Diese können wir auf Grund der Komplexität des Weltklimas nur schwer im Einzelnen bewerten. Im Prinzip können hier Lösungen nur durch internationale Vereinbarungen geschaffen werden, aber insbesondere die USA und China sind aktuell noch nicht zu Zugeständnissen bereit. Trotzdem kann es für Deutschland nur der richtige Weg sein hier voran zu gehen und sich die CO2-Neutralität als Ziel zu setzen. Zum einen kann und wird solch ein Weg mit einer wirtschaftlichen Effizienzsteigerung einhergehen. Zum anderen schafft sich die deutsche Wirtschaft somit Exportchancen in einem in naher Zukunft stark wachsenden Markt. Im Hinblick hierauf verbietet sich die bereits unter Effizienzgesichtspunkten nicht zu verantwortende weitere Subventionierung von deutscher Steinkohle, die immer wieder ins Spiel gebracht wird. Auch generell sollte es in Anbetracht schwindender Ressourcen unseres Planeten das Ziel sein unsere Energieversorgung in eine regenerative Richtung zu lenken.

Der bereits erfolgte und immer noch fortlaufende deutsche Boom in den regenerativen Energien wurde allerdings teuer erkauft. Zwar ist eine Förderung notwendig, jedoch sind festgesetzte Preise und Einspeisegarantien der falsche Weg, da so massive Fehlallokationen begünstigt wurden und werden. Zwar macht beispielsweise Photovoltaik fraglos auf den ersten Blick einen fortschrittlichen Eindruck. Schaut man jedoch auf die Fakten, so  würden die gleichen Investitionen in die Förderung etwa einer energetischen Sanierung des deutschen Immobilienbestandes ungleich höhere Erfolge bei der Einsparung von CO2 erzielen. Ziel muss es daher sein Auswirkungen auf den Treibhauseffekt endlich mit einer Preiskomponente zu verbinden und den Markt über die besten Lösungen entscheiden zu lassen.

Diese Vorgehensweise kann darüber hinaus helfen die Kostenseite der Energie zu kontrollieren. Es ist bemerkenswert, dass bei angeblich zu geringen Steigerungen der Hartz IV-Sätze manche Parteien lautstark auf die Barrikaden gehen, ebenso aber aus der gleichen politischen Richtung dem Bürger aber durch eine ideologisch geprägte Energiepolitik massive monatliche Anstiege zugemutet werden sollen. Die Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist hier zusätzlich ein wichtiger Faktor. Wenn die oft geforderte Energiewende tatsächlich stattfinden soll muss man hier die Bevölkerung offen über die Schattenseiten informieren. Dazu gehören neben den finanziellen Auswirkungen auch Veränderungen im persönlichen Umfeld. So ist Windkraft neben Wasserkraft heute die einzige regenerative Energieform bereits zu fossiler Energie wettbewerbsfähig ist. Dies muss jedoch nicht bedeuten, dass in Zukunft auf jedem Berg ein Windrad steht. Dies ist zum einen nicht wirtschaftlich, zum anderen dürfen ökologisch oder auch touristisch wertvolle Regionen nicht beeinträchtigt werden. Besonders Offshore-Winderzeugung auf dem Meer weist große Vorteile auf. Daher muss auf die Erneuerung von Trassen ein Hauptaugenmerk gelegt werden, wobei die Bürger früh einzubeziehen sind sofern deren Lebensqualität eingeschränkt wird. Alternativen, etwa unterirdische Trassen, sind auch von den Kosten her zu prüfen bevor Fakten geschaffen werden.

Fest steht am Ende, dass Deutschland allein das Rad nicht neu erfinden kann. Gerade wir Saarländer werden zwar an den Kosten der Energiewende beteiligt werden, aber nur teilweise in den Segen der vermeintlich kernkraftfeien Wirtschaft gelangen: Solange das AKW Cattenom weiterläuft, und dazu reichen die Planungen aktuell bis 2050, wird sich für uns die Gefahrenlage kaum ändern. In anderen grenznahen Regionen Deutschlands ist dies ähnlich der Fall. Auch im Hinblick hierauf sollte Schnelligkeit allein nicht der ausschlaggebende Punkt sein, wenn so ein Zusammenbruch der Versorgung droht. Wichtiger ist, die besten nachhaltige Lösungen zu finden.

Deutschland muss und wird Vorreiter bleiben, doch globale Umweltprobleme und die Energiewende erfordern internationale Zusammenarbeit, gerade auch da der weltweite Energieverbrauch sich wohl bis 2100 versechsfachen wird. Kooperationen sollten sich dabei nicht nur auf den Atomausstieg oder die CO2-Reduzierung beschränken, sondern auch auf die Entwicklung fortschrittlicher Energieerzeugung. Beispiele hierzu sind das Desertec-Projekt oder die Forschung am Fusionsreaktor ITER: Die Kosten hierfür sind jeweils hoch, aber die Nebenwirkungen schlechter Lösungen wären weitaus höher. Wenn wir in Deutschland die Energiewende voran treiben wollen dürfen wir nicht nur gegen bestimmte Dinge sein, sondern müssen mit Weitsicht die Dinge nach vorne treiben.

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